Sonntag, 29. Januar 2017

Von Farben und Wissen



Manchmal wünschte ich, ich wäre wahnsinnig gebildet, so dass ich mein umfangreiches Wissen nicht nur in jeweiligen Zusammenhängen verwenden und Schlüsse daraus ziehen, sondern auch mit Leichtigkeit weitergeben könnte. So ist es aber nicht, das ist mir auch nicht erst seit eben klar.
Ich weiß, weil ich es irgendwo zerstreut gelesen habe, dass es mit den Farben, die im architektonischen Gesamtkonzept der Insel Helgoland (von dem ich auch irgendwo gelesen habe) verwendet wurden und werden, etwas auf sich hat. Bei Herrn Buddenbohm lese ich, das Farbkonzept sei erdacht von Georg Wellhausen, meine eigene Investigativrecherche hat ergeben, dass der Künstler Johannes Ufer sich die Mühe gemacht hat, einen Generalfarbplan zu erstellen. Was stimmt nun mehr?
Am 18. April 1947, also nach Kriegsende, wurde die Insel Opfer einer gigantischen Sprengung der Briten, bei der so ziemlich alles von Menschenhand erschaffene zerstört wurde. Es folgten (stark abgekürzt) mühsame Jahre der Bombenräumung und des Wiederaufbaus. Die Welt schreibt hier, dass der Architekt Georg Wellhausen bei der Konzeption des 'einmaligen Architekturensembles' (Spiegel) auf jede Art der Rekonstruktion verzichtet hat. Das habe ich woanders auch schon anders gehört, sonderlich fundiert ist mein Geschreibsel hier also nicht; Bücher zum Thema habe ich nicht bestellt, Zeitzeugen nicht befragt, Bibliotheken nicht aufgesucht. Studiert hab ich sowieso nie und mit der Kommasetzung hapert es auch immer noch.


Hinten die Konzertmuschel, vorn der Zugang zur Landungsbrücke

Nun könnte ich ja mein Unwissen einfach verschweigen oder verbergen oder geschickt umschiffen. Dass ich das nicht tue, sondern es sogar ausdrücklich dazuschreibe, hat folgenden Grund: wie ich an anderer Stelle schon schrieb, mache ich mir das Bloggen seit geraumer Weile sehr schwer. Da baue ich zuweilen einen Anspruch an mich und die zu schreibenden Beiträge auf, dass ich mich in meiner freien Zeit mutlos stattdessen lieber der Jahressteuer zuwende. Ich denke das veranschaulicht mein Dilemma ganz treffend.
Nun, die blogtherapeutische Gegenmaßnahme, die ich mir selbst verordnet habe, hat viel mit dem Thema Gegenwärtigkeit zu tun. Schreiben was ist.
Gegenwärtigkeit und Geistesgegenwart sind übrigens immer Grundvoraussetzung für meine Begegnungen mit den Menschen gewesen, die ich hier im Blog portraitiert habe (und hoffentlich wieder portraitieren werde). Man kann da gar nicht gegenwärtig genug sein, das habe ich bei meinen inneren kritischen Résumés der einzelnen Begegnungen immer wieder festgestellt. Sich nie verstellen, nie klüger tun als man ist, auch vermeintlich dumme Fragen aussprechen und wirklich offen zuhören, ohne das Gesagte auf die Bestätigung eigener, fertiger Bilder abzugrasen. Klingt ganz einfach eigentlich.


Unten das Unterland, oben das Oberland. Das Mittelland ist nicht im Bild.

So gesehen kann ein Mangel an Wissen auch hilfreich sein; man kann so viele Fragen stellen. Andererseits hilft Wissen enorm, um noch tiefergehende Fragen zu stellen oder Widersprüche anzusprechen, die zu diskutieren sehr bereichernd sein kann. Es ist kompliziert. Letztendlich aber ist es ja so: Es ist wie es ist. Wenn ich also auf Helgoland herumlaufe und Häuser und Erbautes fotografiere, dann entgeht mir sicher einiges, weil ich es aus Unwissen nicht erkenne. Deswegen kann ich ja nun nicht im Hotel sitzen bleiben.
Ich gehöre zur Lerngruppe 'Sehen, Machen, Fühlen'. Alles erlebte kann ich mir gut merken, auch lange. Gelesenes, und mag es noch so interessant sein, vergesse ich, sobald es nicht durch praktischen Bezug Atem eingehaucht bekommt. Vorausgesetzt, ich verstehe überhaupt was ich lese, das ist keineswegs immer der Fall.
Anders formuliert: Ich bin nicht dumm, ich weiß nur nicht so viel. Wichtiger Unterschied.




Die Farben Helgolands, also die der Insel selbst und die farblichen Ergänzungen durch Menschen, sind jedenfalls sehr besonders und für mein Empfinden auch sehr schön. Ich hab es gerne bunt, und das meiste auf Helgoland ist von wunderschön unbunter Buntheit. Jede Farbe wirkt stimmig, auch in ihrem Kontext. Es ist sozusagen eindeutig, aber unaufdringlich bunt auf Helgoland. Ich mag das.
Am buntesten, so habe ich gelesen, seien die Hummerbuden, derer der Inselbesucher gleich nach Verlassen des Schiffes ansichtig wird. Das war mir so nicht aufgefallen, und ich kann es auch nicht zweifelsfrei bestätigen. Natürlich habe ich, nach der Erlangung des gelesenen Wissens, mit prüfendem Blick die Insel betrachtet; dabei habe ich noch viele andere Bauten mit klaren, eher wachen als müden Farben entdeckt. Aber wenn es irgendwo steht, denke ich, ist vermutlich was dran, und so laufe ich nun mit einer weiteren Unklarheit durchs Leben. Das ist auch nicht immer leicht auszuhalten, diese fortwährende Anhäufung immer neuer uneindeutig zu verifizierender Wahrheiten und Sachverhalte im Leben.
Vermutlich ist genau das die wahre Herausforderung, die zu bewältigen ein jeder in der Verantwortung steht: Anzuerkennen, dass vieles nicht nach Schema, schon gar nicht dem eigenen oder präferierten, zu erfassen ist; anzuerkennen, dass die Welt voller Widersprüche mit der ihnen inne wohnenden Daseinsberechtigung ist. Einfache Wahrheiten sind selten. Und Wissen ist nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Angesichts der politischen Weltlage ist ist das mit den Farben ja letztlich leichtes Gepäck.


Im Hintergrund die Hummerbuden


Blick zur Düne

Nun soll es gut sein mit der Küchenphilosophie. Auf den folgenden Fotos sind Farben und Formen zu sehen, Menschen (mal wieder) nicht, und so richtig einladend mögen selbst die ausdrücklich für Besucher gedachten Orte, wie die Konzertmuschel beispielsweise, auf den Bildern auch nicht wirken. Es handelt sich um Januar Fotos, da ist Nach-Neben-Vor oder gar keine Saison - ich weiß es nicht, schön leer war es jedenfalls allüberall.

Viel Freude mit den Fotos!











Ferienhäuser auf der Düne








Hummerkörbe


Es gibt auch eine Art Industriegebiet














Wer eine Bunkerführung mitmacht, gelangt durch diese Tür wieder ins Freie











Montag, 16. Januar 2017

Helgoland


Blick vom Oberland auf die Düne - (m)ein Sehnsuchtsort

Im vergangenen Jahr hatte ich zwei Mal das Vergnügen, auf Helgoland arbeiten zu dürfen. Überhaupt habe ich sehr viel gearbeitet im vergangenen Jahr. Viel arbeiten ist so ein Dauerthema in meinem Leben. Das wäre ja nicht schlimm, aber die Pausen kommen doch zu kurz, das muss ich schon zugeben. Wie machen die das, denke ich, wenn ich bei der Kaltmamsell und beim Herrn Buddenbohm lese. Beide gehen arbeiten und ab und an auch aus, sie lesen Bücher und schreiben darüber, sie kochen und backen, der eine tanzt, die andere macht reichlich Sport, und beide bloggen mit verlässlicher Regelmäßigkeit – über unterschiedliche (!) Themen obendrein. Herr Buddenbohm hat zudem Kinder, da fällt mir vor lauter Ehrfurcht über so viel Realitätsbewältigung gar kein passender Ausdruck ein.


Der Helgoländer Leuchtturm ist eckig 

Ich arbeite auch, blogge aber kaum. Hm. Froh macht mich das nicht. Das Arbeiten oft schon, nicht zu bloggen hingegen nicht. Sport, Tanz und Lesen kommen auch zu kurz, ebenso Müßiggang im Allgemeinen und nicht zu letzt der Schlaf. Irgendwas mache ich bei der Einteilung persönlicher Zeit grundsätzlich verkehrt (und das ohne Kinder). Ich ahne das und weiß doch nicht recht einen Ausweg. Es ist nämlich nun auch nicht so, dass mir mit all dem Geld, dass ich dieserart als Selbstständige erwirtschafte, goldene Zeiten im Alter bevorstünden. So gut rechnen kann selbst ich.

Damit das neue Jahr nicht übergangslos dem alten ähnelt habe ich es, um mir selbst den guten Willen zu beweisen, mit Urlaub begonnen. Und weil die freie Zeit auch bei meinen Jobs auf Helgoland - trotz planerischer Berücksichtigung - rasant zu kurz gekommen ist, bin ich nun nochmal hingefahren. Zum nachholen quasi. Und zwar mit Ehemann, der glücklicherweise aufrichtig begeistert wirkte.


Weiter gehts, bitte hier entlang ...


Freitag, 13. Januar 2017

Die Rigi und der Nebel


Der Rigi-Artikel ist ursprünglich im Mai 2014 in meinem Zweitblog Hintergrundrauschen erschienen. Dort habe ich in zwei Jahren keine zehn Posts veröffentlicht. Die Idee, mir ein zweites Forum abseits dieses Blogs zu erschaffen, um dort über ich weiß-auch-nicht-was-ich-mir-gedacht-habe zu schreiben, ist allzu schnell versandet. So habe ich mich im Zuge meiner derzeitigen digitalen Aufräumarbeiten entschieden, den Laden wieder dicht zu machen. Das fällt mir nicht sehr, aber doch erfreulich leicht. Bloß um die Rigi würde ich weinen müssen, deswegen nehme ich sie einfach mit hierher. Einige werden sich vielleicht erinnern; hoffentlich so gerne wie ich.



Irgendwo oben auf der Rigi – der Königin der Berge – dem Hausberg von Luzern, irgendwo dort oben hab ich mein Herz an diesen Berg verloren. Ob auf 1500 Metern oder ganz oben am Gipfel – ich weiß es nicht.

Nicht etwa die Aussicht betört mich, nicht der weite Blick auf das Schweizer Umland oder den Vierwaldstättersee. Kein unendlich blauer Himmel taucht gemeinsam mit der Sonne die Rigi in verführerisches Licht. Nein, sehr viel zu sehen gibt es bei meinem ersten Besuch auf der Rigi nicht. Überall ist Nebel.


Es ist der Berg selbst, der mein Herz leise an seine Hand nimmt. Es ist die wassergraue Stille der Rigi, die mir immer nur die nächsten zwanzig, dreissig, später hundert Meter von sich zeigt. Es ist der Nebel, der die Rigi küsst und mich umfängt und der den Klang meiner Schritte sachte vergessen macht.

Stumm erzählen die Rigi und der Nebel mir ihre Geschichte. Sie handelt von einer alten Liebe.




Weiter gehts, bitte hier entlang ...



Mittwoch, 11. Januar 2017

Neulich so in Rotterdam - oder vom unbeschwerten Dribbeln


Blick aus dem Hotelfenster vom De Rotterdam in luftiger Höhe

So. Das neue Jahr hat kaum angefangen, da blogge ich einfach mal kopflos was dahin. Es ist nämlich so, dass ich, sobald es um meinen Blog geht, viel zu viel nachdenke. Soviel zumeist, dass ich vor lauter Grübeln, Zaudern und Zweifeln zu gar nichts mehr komme, schon gar nicht zum Bloggen.

Es ist beinahe wie ganz am Anfang; damals im März 2009. Da hab ich nach ausgiebigem Anlauf in einer gefühlt wagemutigen Stunde bei Blogspot Nägel mit Köpfen gemacht (ähem, Wörter getippt und Enter gedrückt) und diesen/dieses (ich weiß es nach all den Jahren noch immer nicht, wie es nun wirklich heißt) Blog eingerichtet.

Ich hatte damals eine Chaiselongue, die war antik und grün. Darauf saß ich, natürlich grübelnd. Ein Blog-Name musste her. Als ich den gefunden zu haben glaubte (eine Entscheidung, die ich viele Male bereut habe, genau wie meinen Einzug bei Blogspot) war ich vom vielen Denken zu erschöpft um mich den entmutigenden Stimmen, die in meinem Kopf seit jeher ein behagliches Zuhause haben, zu stellen.
Es war also quasi alles bereit (Layout,Name, Thema...), bloß ich nicht. Über ein halbes Jahr hat es noch gedauert, bis eine, in meinem Erleben furchtbar entblößende Situation stattgefunden hat, nach der ich mich am liebsten nur noch unter besagter Chaiselongue verstecken wollte. Meine Scham, deren Anlass ich heute übrigens kaum noch rekonstruieren kann, war derart groß, dass ich mit Fatalismus reagiert habe. So kam mir plötzlich folgender Gedanke in den Kopf: dann kann ich ja jetzt auch den Blog mal öffentlich machen und zeigen. Zeigen, was ich so tue, was ich mir so ausgedacht habe. Dann ist es eben schlecht, na und!?

So war das damals. Allzu weit entfernt bin ich vom damaligen Grübelgrad nun nicht entfernt - seit einer sehr großen Weile übrigens schon. Was sich ja an der Frequenz der erschienenen Posts deutlich ablesen lässt.
Gelernt hab ich offenbar aus der Vergangenheit das Entscheidende nicht: im Tun wird ebendies womöglich besser. Durch Zaudern nicht.




„2017 - das Jahr des NICHT-Jammerns“, so schrieb mir heute Niels - der übrigens für sein unfassbar tolles Ganz Köln-Projekt tatsächlich ganz Köln abläuft, Fotos macht und Dinge dazu schreibt.
Ich, die gerade wieder die Blog-Problem-Schleife etwas fester zurren wollte, habe sofort innegehalten und direkt mal das erstbeste Störfeuer umgeleitet - in: Bloggen ist einfach - einfach losbloggen. Ist ja Irrsinn, nicht wahr, sich so vom eigenen Blog selbst beschweren zu lassen. Unbeschwert soll es sein, das Bloggen. Locker hingedribbelt. Oder so.
Nicht dass ich beim Schulsport früher beim locker hindribbeln ganz vorne dabeigewesen wäre, aber lassen wir das ...


Weiter gehts, bitte hier entlang ...



Montag, 18. Juli 2016

„Und jetzt noch eine Samba aus Brasilien!“



Gustav Ribbe ist mit der Musik groß geworden und sie hat ihn um die halbe Welt geführt. Zehn Jahre lang ist er mit der MS Deutschland - dem Traumschiff - unterwegs gewesen. Er war auch auf anderen Kreuzfahrtschiffen, aber das Traumschiff kennt nun mal jeder und deswegen wird auf dem Schild an seinem Keyboard nur das Traumschiff erwähnt. Ein laminiertes Stück Papier, provisorisch mit zwei Plastikklemmen befestigt, gibt Auskunft wer da hinter dem Keyboard sitzt und spielt: Gustav Ribbe, Musiker, Konzertpianist, Kapellmeister.
Dabei kennen die meisten Gäste ihn ohnehin. Manche kommen seit Jahren nach Cuxhaven, um ihren Urlaub hier zu verbringen. Und dann besuchen sie Gustav Ribbe, wo auch immer er gerade spielt. Als ich Gustav Ribbe treffe spielt er gerade im Terrassenzelt vom Strandhaus Döse, wohin mich ein stürmischer Platzregen führt. Es sind nur wenige Tische besetzt, aber für die gibt Gustav Ribbe alles - und zwar bestens gelaunt und mit Leichtigkeit.



Gustav Ribbe ist in Heilbronn groß geworden und das hört man ihm an. Sein Vater war Generalmusikdirektor in Stuttgart und hat früh Gustav Ribbes musikalisches Talent gefördert. „Ich habe auch einen Bruder, aber der ist gar nicht musikalisch. Der kann nur eine CD einlegen.“ sagt Gustav.
Sein erstes Instrument hat Gustav zu spielen begonnen als er drei Jahre alt war. Heute spielt er acht oder neun Instrumente, so genau weiß er es gar nicht: „Schlagzeug, Vibraphon, Trompete, Klavier ... na, alles was in der Kiste da drin ist.“ Die Kiste, das ist Gustav Ribbes Keyboard, auf dem er spielt, seitdem er in Cuxhaven ist: seit beinahe zehn Jahren.




Nach der Schulzeit hat Gustav Ribbe das Hamburger Konservatorium besucht und auch eines in Baden-Württemberg. Als junger Mann hat er in Peter Frankenfelds Fernsehshow Vergissmeinnicht mitgewirkt, das erzählt Gustav Ribbe nebenbei. Seine längste berufliche Verpflichtung ist er bei der Nato eingegangen: dort war er beinahe 30 Jahre lang als Kapellmeister tätig und hat Militärmusik gemacht. Seit er dort aus dem Dienst ausgeschieden ist war er in der Welt unterwegs; in Amerika zum Beispiel und in der Schweiz: „In Zermatt, das war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben.“
Schließlich war er dann auf Kreuzfahrtschiffen engagiert: „Immer drei Monate waren wir unterwegs. Dann gab es eine kleine Pause und dann ging es auf dem nächsten Schiff weiter.“

Weiter gehts, bitte hier entlang ...


Sonntag, 20. März 2016

Nebel über Helgoland



Als das das Schiff anlegt ist der Himmel über Helgoland grau. Die Überfahrt war ruhig, aber kalt. Anfangs sind viele Menschen an Deck umhergelaufen, doch schon bald waren es nur noch ein paar wenige. Die meisten einfache Arbeiter, zumeist Polen wie mir scheint. Zwei von ihnen stehen während der ganzen Fahrt. Eine Hand in der Tasche, in der anderen Hand halten sie abgegriffene Plastiktüten. Manchmal reden sie ein paar Worte. Ansonsten gucken sie in die Ferne. Es sitzen auch ein paar deutsche Handwerker draußen. Auf dem Rücken ihrer Arbeitskleidung steht, welchem Gewerk sie angehören. Einer packt seine Butterbrotdose aus, in der all seine geschmierten Brote und irgendwelche Würste nochmal in Alufolie eingewickelt sind. Ich merke, dass ich Hunger habe und laufe eine Runde durchs Schiff.
Drinnen sitzen überwiegend Touristen. Es ist warm und das Meer ist plötzlich weit weg. Der kleine Schiffskiosk ist leergekauft. Ich setze mich wieder nach draußen und denke fasziniert, was es doch für einen enormen Unterschied macht, ob man drinnen oder draußen ist. Besonders auf dem Meer.



Ein paar Stunden später laufe ich den Klippenrundweg auf dem Oberland entlang. Viel sehen kann ich nicht, es ist neblig. Einen Ort im Nebel zu erkunden ist eine feine Sache. Es ist ein langsames sich annähern, ein behutsames Aufeinandertreffen. Ich mag das. Nur Stück für Stück gibt die Landschaft etwas von sich preis. Farben, Formen und Geräusche sind gedämpft. Fast ist es, als würde die Insel sagen: Wenn du dich wirklich für mich interessierst, dann nimmst du mich auch so.
Man ist mit sich und der Umgebung allein, ein exklusives Nebel-Tête-à-Tête. Die Ferne bleibt im Verborgenen, mit dem Nahen kann man sich verbinden, eine eigentümlich intime Entdeckungsreise.




Weiter gehts, bitte hier entlang ...

Freitag, 11. März 2016

Bloß nicht ertappen lassen!



Es sind ja oft die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die einen an einem Menschen nachhaltig beeindrucken. Oder auf die man beispielhaft zurückgreift, um ihnen ein Bild zu geben. So eine vermeintlich kleine Begebenheit, ein leicht zu übergehendes Erlebnis hatte ich mit Isabel Bogdan im letzten Sommer.

Ich muss dazu sagen, dass ich Isabel schon ziemlich lange aus dem Netz kenne. Persönlich habe ich sie das erste Mal vor ca. neun Monaten getroffen. Damals war sie mit der Fertigstellung ihres erstes Romans beschäftigt, der in diesem Frühjahr bei KiWi erschienen ist.
Jedenfalls: weil ich beruflich in Hamburg zu tun hatte, habe ich mich im Vorfeld mit einer recht banalen Frage und eher nebenbei an Isabel gewandt: ich wollte in der wenigen freien Zeit gern ein bisschen Klamotten gucken gehen und ich weiß – weil sie in ihrem Blog darüber schrieb – dass Isabel mit viel Sinn und Verstand ihre Lieblingsläden auswählt.
Naja, ... wie es dann manchmal so ist: sie brauchte gerade Fotos für ihr neues Buch. So haben wir vereinbart, dass wir uns am Tag nach meinem Job in Hamburg treffen um uns kennenzulernen, um Pläne und auch um ein paar Probefotos zu machen.


Weiter gehts, bitte hier entlang ...

Sonntag, 21. Februar 2016

Sich zeigen - nicht schweigen

Das bin ich. Ich zeige heute hier ein Foto von mir selbst - um Gesicht zu zeigen. Das Bild ist im letzten Sommer entstanden, nicht extra für diesen Post, aber das ist egal.
Sich zeigen - nicht schweigen, das reimt sich blöderweise, aber das muss nun auch egal sein.


„Wer schweigt, scheint zuzustimmen“ lautet ein Sprichwort. Anlässlich der jüngsten Ereignisse in Clausnitz und Bautzen ist es mir ein dringendes Anliegen, deutlich erkennbar nicht zuzustimmen. Es ist mir ein Bedürfnis nicht zu schweigen. Auch wenn es mir gleichzeitig gar nicht leicht fällt mich auf so direkte Art sichtbar zu machen und ich - vor allem öffentlich - gerade bei politischen Themen eher schweige, wenngleich ich damit keineswegs denen zustimme, die sich mit ihrer Meinung am lautesten die wichtigsten Plätze verschaffen.

Ich finde es unerträglich, das so etwas wie in Clausnitz oder Bautzen passieren kann. Dass es passieren darf. Es tut mir weh, zu sehen, wie viel Herzlosigkeit möglich ist. Ich bin fassungslos. Und zwar über jeden einzelnen rassistisch motivierten Übergriff, der in den letzten Monaten, nein Jahren stattgefunden hat.
Ich fühle mich hilflos - was kann man tun, um ein Umdenken in den Köpfen derer anzuregen, die da gewaltvoll ihren Hass gegen Fremde hinausschreien, die Unterkünfte abbrennen oder Hetzparolen verbreiten? Was kann man tun, um ihr Mitgefühl oder ihre Selbstreflexion zu aktivieren?

Im Video, das die Ankunft des Busses mit geflüchteten Menschen in Clausnitz zeigt, ist vorne im Bus ein Junge im blauen Kapuzenpulli zu sehen. Erst hält er sich an jemandem fest, dann blickt er weinend hinaus und geht anschließend die Stufen zur Bustür hinunter. Er soll da jetzt raus. Raus in die grölende angsteinflößende Welt vor dem Bus, hinein in ein Gebäude, das als neues Zuhause gedacht war und sich als Falle entpuppt.
Dass hinterher ein Polizeipräsident den Flüchtlingen im Bus und nicht der grölenden Menge davor, die Schuld an der Eskalation der Ereignisse geben darf verschlimmert die Ereignisse maximal und ist ein verheerendes Signal.

Weiter gehts, bitte hier entlang ...


Freitag, 5. Februar 2016

Am Ende des Tages ein Zebra



„Und, hast du schöne Fotos gemacht?“ fragt mich John Lennon in der Dämmerung. „Ne, ich hab nur Mist zusammenfotografiert.“ erwidere ich unfroh. John Lennon ist übrigens in Wahrheit Janis Joplin und irgendwie passt das zu meinem Tag: man sieht eben nur, was man sehen will. Oder kann. Janis Joplin kann ich nicht von John Lennon unterscheiden und im Karneval vermag ich keinen Frohsinn zu entdecken. Auf meinem diesjährigen Spaziergang durch die Kölner Weiberfastnacht weicht die Melancholie mir nicht von der Seite. Sie färbt meinen Blick und bremst meinen Schwung - also das bisschen, das mich überhaupt hat losziehen lassen. Und dann auch noch immerzu Regen.




In der Reihenfolge ihres Entstehens zeige ich nun also Fotos des gestrigen Tages. Die lückenhafte Zusammenhanglosigkeit darf als Indiz für meine innerliche Unentschlossenheit verstanden werden. Bis ich es schließlich getan habe, habe ich mich an der Frage abgearbeitet, ob ich nicht einfach wieder heimgehen soll.

Weiter gehts, bitte hier entlang ...

Samstag, 30. Januar 2016

Mehr Katzen für das Internet



Es heißt ja immer leicht verächtlich das Internet sei voll von Katzen. Ich weiß nicht welches - meins jedenfalls nicht. Das Internet in dem ich unterwegs bin, ist, so erscheint es mir in diesem frisch angebrochenen, bereits vielfach beschädigten Jahr, bedauerlich voll von schlechten Nachrichten, Niedertracht und erschütternder Rechthaberei.

An manchen Tagen fühle ich mich müde von all den grausamen, durch Menschen verursachten (oder nicht durch sie verhinderten) Katastrophen und dem Hass. Dem Hass, der Grausamkeiten ermöglicht, dem Hass, der sich als Reaktion darauf formiert und dem verbalen Hass, der gedanklicher Notdurft gleichkommt (ich lese fahrlässigerweise Kommentarspalten). Ich werde müde von der Niedertracht, vom grassierenden Unwillen auch nur einen ausführlichen Moment lang innezuhalten, bevor man der Welt seine quadratisch-gepresste Meinung in oftmals gewalttätigen Worten antut. Oder bevor man das Streichholz oder gar eine Handgranate bemüht.
Philosophie sei „die Kunst, Unrecht zu haben“ wird der Philosoph Hans-Georg Gadamer im Editorial des aktuellen Philosophie Magazins zitiert. Etwas anders formuliert er es im Gespräch mit Rüdiger Safranski: philosophieren sei die Fortsetzung des Zweifels mit anderen Mitteln. (bei 12:36)




Das Innehalten und das Zweifeln scheinen mir wenig populär in diesen Tagen. Schnell dahingelärmte Antworten hingegen schon.
Und da fallen mir die Katzen ein. Mir selbst hilft beim Innehalten ganz gewiss die Katze. Ich gucke ihr beim Sein zu und stelle ein ums andere Mal fest, dass sie nicht sonderlich viel tut. Dabei lässt sich prima innehalten. Ich frage mich – ganz nach persönlicher Verfassung – mal dies, mal das: ist der Katze nicht langweilig? Wozu all die Knochen und Muskeln, wenn sie doch nur herumliegt? Was fängt sie an mit all den Erkenntnissen, die sie bei ihren hochkonzentrierten Erkundungen aller unverschlossenen Schränke, Schubladen und der umliegenden Höfe gewinnt? Warum eigentlich bin ich nicht selbst auch eine Katze? Was mag nur in ihr vorgehen, frage ich mich und entschuldige ihre unerschütterliche Katzenroutine mit den Worten: Sie weiß ja nichts von Zeit und Geld.
Die Katze ist meine Mahnung, meine Erinnerung daran, mich immer wieder zu fragen, ob, warum und wann Tun und Haben wirklich besser ist als Sein.

Diese katzenverursachten Gedanken und Fragen mögen sich in der Herleitung etwas schlicht lesen. Ich kann aber versichern, dass ich mir wieder und wieder den Kopf auch um zentrale Fragen des Lebens und des aktuellen Zeitgeschehens zerbreche, bloß weil die Katze guckt, wie sie guckt.

Weiter gehts, bitte hier entlang ...